Newsletter-Archiv

#Newsletter Nr. 3#

Liebe Freundinnen und Freunde

In diesen Tagen wird die letzte Bastion des IS durch die Demokratische
Kräfte Syriens (SDF) befreit – und somit gilt das selbsternannte Kalifat
sehr bald als besiegt. Dies ist ein historischer Sieg, den wir dem SDF
zu bedanken haben. Die Niederlage des IS begann vor vier Jahren in
Kobanê: Zum Jahrestag der Befreiung von Kobanê waren wir im Studio mit
einer Person, die Teil dieses Widerstands in Kobanê war und uns von
dieser Geschichte erzählt. Die Sendung könnt ihr hier nachhören
https://www.mixcloud.com/radiolora/offener-politkanal-kampf-um-koban%C3%AA-english/

Doch auch wenn der IS kein eigenes Territorium hat, ist die Ideologie
noch nicht verschwunden und es stellen sich nach wie vor viele Fragen,
unter anderem auch in Bezug auf dem Umgang mit den TäterInnen und
MittäterInnen. Zudem sind die geopolitischen Machtfragen nicht geklärt
und die Türkei droht nach wie vor, in Rojava einzumarschieren.
Zu den Hintergründe empfehlen wir das zweiteilige Interview im Lower
Class Magazine mit Cemil Bayik, Gründungsmitglied der Arbeiterpartei
Kurdistans (PKK) und Co-Vorsitzender des Exekutivrats der Koma Civakên
Kurdistan (KCK):
http://lowerclassmag.com/2019/02/cemil-bayik-das-kommt-einer-kriegserklaerung-gegen-die-kurden-gleich-interview-iran-syrien-usa-tuerkei-pkk-kck/#more-6181
und
http://lowerclassmag.com/2019/02/cemil-bayik-wir-definieren-kurdistan-als-gesellschaft-und-nicht-als-staat-pkk-kck-rojava-tuerkei/.
Zur aktuellen Lage im Kampf gegen den IS:
https://www.woz.ch/1908/terror-in-syrien/das-letzte-fleckchen-des-is.

Während darüber debattiert wird, was mit ausländischen IS-KämpferInnen
passieren soll und ob Frauen, das IS-Kalifat tatkräftig unterstützt
haben, Täterinnen oder nur naive Dummerchen waren (sprich, ob Frauen
überhaupt handelnde Subjekte mit eigener Meinung sein können), werden
Menschen, die gegen den IS gekämpft haben, kriminalisiert. So wurde
Johan Cosar letzte Woche durch das Bundesverwaltungsgericht in Rojava zu
einer Geldstrafe verurteilt:
https://anfdeutsch.com/aktuelles/geldstrafe-fuer-schweizer-anti-is-kaempfer-9723.
Auch SchweizerInnen haben sich dem IS angeschlossen
https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/stunde-der-wahrheit-fuer-winterthurer-isgeschwister/story/22768581

Frauenrevolution in Rojava
Trotz angespannter Lage geht die Arbeit im Alltag weiter. So wurde zum
Beispiel ein Frauenzentrum in Raqqa eröffnet:
https://anfdeutsch.com/frauen/frauenzentrum-in-raqqa-eroeffnet-9753 und
die Vorbereitungen zum 8. März laufen überall auf Hochtouren. Auch in
den Teilen der Provinz Deir ez Zor, die vor kurzem durch den SDF vom IS
befreit wurden, werden Frauen am 8. März zum ersten Mal den
Frauenkampftag begehen
https://anfdeutsch.com/frauen/erster-frauenkampftag-in-deir-ez-zor-9815
Mehr Informationen zu den Frauenhäuser und weitere Projekte findet ihr
in den Berichten der feministische Delegation aus Deutschland:
http://gemeinsamkaempfen.blogsport.eu/category/feministische-delegation-rojava/.

Es gibt zudem diesen Samstag die Gelegenheit, Informationen aus erster
Hand aus einer weiteren Frauendelegation zu hören: „Frauenrevolution in
Rojava“ Eine Frauendelegation war in Rojava um mit den Frauen über ihre
Kämpfe, Erfahrungen und Strukturen zu diskutieren, Teil zu sein und sich
inspirieren zu lassen. Samstag, 2. März, 19 Uhr, Volkshaus Zürich. Mehr
Infos:
https://www.aufbau.org/index.php/component/jevents/icalrepeat.detail/2019/03/02/254/-/frauenrevolution-in-rojava?Itemid=1&filter_reset=1

Die Isolation durchbrechen – Solidarität mit Leyla Güven und den
Hungerstreikenden
Leyla Güven ist seit 113 Tagen im Hungerstreik (siehe dazu auch unser
Newsletter Nr. 2 https://rojavaagenda.noblogs.org/newsletter/ ). Leyla
Güven hat sich mehrmals zur Wort gemeldet, hier mit einem eindrücklichen
Brief an alle Frauen https://www.frauenbuendnis-zueri.ch/?p=1036
Natürlich wird auch an der Frauendemo zum internationalen Frauenkampftag
in Zürich und Winterthur ihr Kampf und der Widerstand der Frauen in
Rojava (Nordsyrien) und in Bakur (Südosttürkei) ein wichtiges Thema
sein.

Zurzeit sind 300 Gefangenen in der Türkei ebenfalls im Hungerstreik, und
die Aktion soll am Freitag auf alle Gefängnisse ausgeweitet werden
(https://anfdeutsch.com/aktuelles/hungerstreik-in-der-tuerkei-wird-auf-alle-gefaengnisse-ausgeweitet-9793).
Interview mit der HDP-Abgeordnete Saliha Aydeniz zu den Hungerstreiks
und über die Repression in der Türkei:
https://anfdeutsch.com/frauen/die-akp-moechte-eine-eindimensionale-gesellschaft-erschaffen-9654
Auch in Strassbourg sind 14 kurdische PolitikerInnen seit 74 Tagen im
Hungerstreik. Wir haben sie besucht, das Interview mit zwei von ihnen
könnt ihr hier nachhören:
https://www.mixcloud.com/radiolora/1422019-infolora-hungerstreiks-in-strassbourg/

Zu guten Letzt: aktuelle Mobilisierungen
Demonstration Samstag, 2. März 12 Uhr Bürkliplatz Zürich
Aktion Freitag 1.3. 16 Uhr Bürkliplatz Zürich

Setzen wir alles dran, Rojava, die demokratische Konföderation
Nordsyrien zu verteidigen.Bei Angriff auf die Strasse!Für weiterführende Informationen:https://rojavaagenda.noblogs.org/links/***Email bitte weiterleiten***Wenn ihr regelmässig diesen Newsletter bekommen wollt, schreibt ein leeres Email an rojavaagenda-subscribe@lists.riseup.net


#Newsletter Nr.2#
25.01.2019

Liebe Freundinnen und Freunde

Seit unserem letzten Newsletter hat sich die Situation nicht wesentlich verändert: Die türkische Armee steht mit 80‘000 Soldaten an der Grenze zu Rojava bereit, das geopolitische Tauziehen geht weiter und lässt offen wie sich die Machtverhältnisse in Syrien verschieben. Tagtäglich erreichen uns widersprüchliche Nachrichten, ob und wann die USA ihre Truppen zurückzieht und Luftraum für Erdogan freigibt.

Wie diese Situation sich für die Menschen vor Ort in Rojava anfühlt könnt ihr in den folgenden Beiträgen lesen, die ein Freund vor Ort geschrieben hat: (vor)kriegszeiten in Rojava Teil 1, Teil 2, Teil 3

Solidarität mit Leyla Güven
Währenddessen wächst der Widerstand in anderen Teilen Kurdistans: ausgehend vom Frauengefängnis in Amed breitet sich der Protest in Form von einem Hungerstreik aus. Vor genau 79 Tagen ist Leyla Güven in den unbefristeten Hungerstreik getreten gegen die Isolation von Abdullah Öcalan (eindrückliche Worte von Leyla Güven aus dem Knast findet ihr hier). Inzwischen haben sich 600 Gefangene angeschlossen, 250 davon im unbefristeten Hungerstreik. Auch ausserhalb der Gefängnisse schliessen sich immer mehr Menschen den Protest an. Trotz massiver Repression (ein kritischer Tweet = Verhaftung) gingen letzten Freitag mehrere tausend Menschen in Amed (Nordkurdistan) auf die Strasse (siehe eindrückliches Bild hier.

Vorletzte Woche errang der Protest einen ersten Erfolg: nach 2,5 Jahren Totalisolation fand ein Besuch durch Mehmet Öcalan bei seinem Bruder statt. Die Nachricht löste grosse Freude aus. Doch ein Besuch alle 2,5 Jahren jeweils nach massiven Druck und Hungerstreiks bedeutet noch lange nicht das Ende der Isolation. Siehe dazu die Analyse der KCK.

Deshalb gehen die Proteste weiter. Auch international gibt es unzählige Demos und Aktionen auf der Strasse, Solidaritätsbotschaften von viele Politiker*innen, Künstler*innen und Akademiker*innen, so zum Beispiel Angela Davis. In Strassburg sind 14 kurdische Aktivist*innen seit 39 Tagen ebenfalls im Hungerstreik. Sie fordern unter anderem, dass das Anti-Folter-Komitee Abdullah Öcalan besuchen geht. In der Schweiz solidarisiert sich unter anderem die Frauenstreik-Bewegung.

Gerade erreicht uns die Nachricht, dass Leyla Güven freigelassen wurde!! Tausende weitere Gefangene sind weiterhin in den türkischen Gefängnissen eingesperrt. Leyla Güvens Forderung nach der Ende der Isolation von Abdullah Öcalan ist noch nicht erfüllt.

#RiseUp4Rojava – Termine und Mobilisierungen

Samstag, 26.1. Europaweite Demos zur Durchbrechung der Isolation. In der Schweiz und Umgebung: Bregenz: 15 Uhr, am See / Basel: 16 Uhr, Claramarkt / Bern: 14 Uhr, Parlament / St. Gallen: 16 Uhr, Bahnhof / Lugano: 16 Uhr, Bahnhof / Aarau: 17 Uhr, Bahnhof
Sonntag, 27. 1. die internationalistische Kommune in Rojava ruft zu globalen Aktionstagen am 27. und 28. Januar auf. In Zürich gibt es eine Demo am Sonntag, 27. Januar um 15 Uhr, Hirschenplatz.Zum Jahrestag der Befreiung von Kobanê könnt ihr eine Sondersendung auf Radio LoRa hören (27.1. von 18 bis 20 Uhr).

Nächsten Samstag 2. Februar gibt es eine schweizweite Demo in Zürich, 13 Uhr Helvetiaplatz

Setzen wir alles dran, Rojava, die demokratische Konföderation Nordsyrien zu verteidigen.

Bei Angriff auf die Strasse!


#Newsletter Nr.1#
23.12.2018

Aufgrund der aktuellen Gefahrenslage ist dies unser erster Newsletter.
Rojava verteidigen heisst die Invasion verhindern:
Seit die mutigen KämpferInnen den IS aus Kobane und immer weiteren
Teilen in Nordsyriens vertrieben haben, hat die türkische Regierung die
Präsenz ihrer Armee an der Grenze immer mehr verstärkt und schon bald
nach der Befreiung mit regelmässigen Granatangriffen und Bombardierungen
der befreiten Gebieten angefangen. Damit sollte der Aufbau von
basisdemokratischen, multiethnischen Lebensgemeinschaften schon von
Anfang an verhindert und die im Gebiet lebende Bevölkerung zermürbt und
längerfristig vertrieben werden.
Der brutale Überfall Anfang 2018 auf den Kanton Afrin mit der
2-monatelangen Bombardierung des Gebietes zeigt wie sich die Regierung
Erdogan die Zukunft der Region vorstellt. Vernichtung und Vertreibung
der kurdischen Bevölkerung, Ansiedlung von radikalislamistischen
Fundamentalisten, die dem Kommando der türkischen Armee unterstehen.
In den letzten Wochen wurden nun tausende von Militärs (von denen es
sowieso schon viel an der Grenze hat) sowie Tonnen von Kriegsmaterial an
die Grenze verlegt.
Dies ist nicht nur eine Drohgebärde, sondern die Vorbereitung einer
Invasion auf die demokratische Konföderation Nordsyrien. Die Türkei hat bis jetzt gewartet auf das ok der USA. Nachdem Trump überraschend den sofortigen Abzug aller US-Truppen angekündigt hat, ist jetzt noch nicht klar, wie sich die anderen imperialistischen Grossmächte dazu verhalten. Klar ist, dass der türkische Staat so bald als möglich angreifen will. Mehr zu imperialistischen Spielen könnt ihr hier lesen http://lowerclassmag.com/2018/12/der-imperialismus-hat-keine-freunde/#more-6053
Bisher schweigt die EU und die Schweiz zu allem was die Regierung Erdogan tut, sei es die massiven Repression gegen alle die sich nicht absolut dem islamistischen
autoritären Regime unterwerfen, sei es die offene Zusammenarbeit und
Unterstützung des IS und anderer radikalislamischer Mörderbanden.
Wie lange die europäischen Staaten schweigen können, hängt auch davon ab, wie sehr sie unter Druck kommen. Das heisst, ob sich in Europa die Leute mobilisieren. Hier ein Aufruf der Internationalistischen Kommune Rojavas https://internationalistcommune.com/an-alle-demokratischen-krafte-verteidigt-die-demokratische-foderation-nordostsyrien-aufruf-der-internationalistischen-kommune-von-rojava/
Rojava verteidigen heisst für uns dieses Schweigen zu brechen, keine Ruhe zu geben, das Projekt des demokratischen Konföderalismus als Alternative nicht nur für Nordsyrien, sondern auch hier, als Alternative zum überbordenden Kapitalismus zu sehen. Hier könnt ihr die Gedanken und Worte von einem Freund vor Ort lesen und hören https://barrikade.info/Kriegslage-in-Rojava-Wer-wenn-nicht-Wir-1722
Rojava verteidigen heisst mit Aktionen und Demos Druck auf Firmen und Politik auszuüben, damit keine Geschäfte mit der Türkei und anderen Mörderregimes gemacht werden können und einen Angriffskrieg zu verhindern.
Heute Nachmittag hat eine Spontandemo in Solidarität mit Rojava an der Bahnhofstrasse Zürich stattgefunden. Wir hoffen, euch an der nächsten Demo zu sehen!
Setzen wir alles dran, Rojava, die demokratische Konföderation
Nordsyrien zu verteidigen.
Bei Angriff auf die Strasse!