Liebe Freund*innen und Genoss*innen
Intensiv bereiten wir uns auf den 14. Juni vor an dem wir dieses Jahr neben dem feministischen Streik auch zu den NO G7 Protesten auf die Strasse gehen. Zum G7 Gipfel wurde auch der Präsident der syrischen HTS-Übergangsregierung Al-Jolani eingeladen, der im Januar die Angriffe auf die Selbstverwaltung befehligte. In diesem Newsletter berichten wir passend zum feministischen Streik über den globalen Aktionstag „Wir sind alle YPJ!“, an dem weltweit die Solidarität mit den Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) bekundet wurde. Ausserdem schauen wir auf die aktuellen Entwicklungen in Rojava und Rojhilat.
Wir sind alle YPJ!
Am 31. Mai fand der globale Aktionstag zur Kampagne „Wir sind alle YPJ!“ statt. Auf einer Demonstration in Qamişlo bekräftigten mehrere Frauenorganisationen ihre Unterstützung der YPJ. Gleichzeitig kritisierten sie die Weigerung der HTS-Übergangsregierung, die Rolle der YPJ und allgemein die Rolle von Frauen in einem zukünftigen Syrien anzuerkennen. Die Koordinationsvertreterin von Kongra Star Gulîstan Gulo erklärte: „Statt der YPJ zu danken und sie für ihre Opfer zu würdigen, erklärt die Übergangsregierung, dass sie die YPJ nicht anerkenne. Auch wir erkennen dieses Regime nicht an. Es repräsentiere weder unsere Gesellschaft noch unsere Frauen.“ Ausserdem forderte die YPJ-Kommandantin Rohilat Efrîn, dass die Rechte der Frauen in der neuen syrischen Verfassung garantiert werden müssten [1].

Auch in europäischen Städten gab es zahlreiche Kundgebungen und Veranstaltungen. In der Schweiz organisierte das Şehîd-Mehmet-Tunç-Komitee zusammen mit dem OAT-Aargau und dem Rojava Komitee Aargau eine Veranstaltung, in der gemeinsam der Dokumentarfilm „Hêza“ geschaut und diskutiert wurde. Der Film erzählt die Geschichte der Ezidin Hêza, der es gelang, aus der Gefangenschaft des IS zu fliehen und zu einer Kommandantin der Fraueneinheiten Şengals (YJŞ) zu werden [2]. In Zürich gab es bereits am 30. Mai im Zuge der Wohndemo eine Aktion in Solidarität mit der YPJ von der RJZ und der Widerstandsvernetzung. Auch wir haben ein Statement zum Aktionstag veröffentlicht, weil die Übergangsregierung mit der Leugnung der Existenz der YPJ alle revolutionären Errungenschaften Nord- und Ostsyriens gefährdet [3].
Aktuelle Entwicklungen in Rojava und unsere Rolle als revolutionäre Linke
Bereits am 24. April fand im Rahmen des Politwochenendes die Veranstaltung «Revolution in Zeiten von Krieg und Krise» statt, welche vom Radio LoRa mitgeschnitten wurde. In der Veranstaltung wurde die aktuelle Situation in Rojava in den globalen Kontext eingeordnet. Aufgezeigt wurde, wie sich die Dynamik in Syrien seit dem Fall des Baath-Regimes grundlegend geändert habe. Seit der Revolution sei in Rojava 14 Jahre lang die Politik des 3. Weges verfolgt worden. Dies habe bedeutet, einen eigenen Weg zu gehen und sich weder mit dem Baath-Regime, welches vom Iran und Russland unterstützt worden sei, noch mit der Nato auf strategische Bündnisse einzulassen. Der Widerspruch der zwei Lager habe zur Stärkung der eigenen Position genutzt werden können. Seit der Machtergreifung durch die von Al-Jolani geführte HTS im Dezember 2025 sähen sich die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) in Rojava einem einzigen Gegner gegenüber, der von einem breiten Bündnis aus EU, USA, Israel, Türkei und Grossbritannien unterstützt werde. Auf die neue Situation müssten neue Antworten gefunden werden [4].
Auch wenn die QSD grosse Gebietsverluste während der Angriffe der HTS im Januar hinnehmen musste, konnte die vollständige Vernichtung der Errungenschaften der Revolution durch die Generalmobilmachung und die globalen Proteste aufgehalten werden. Während der Veranstaltung wurde betont, dass sich seit dem Waffenstillstand vom 29. Januar und dem damit begonnenen Integrationsprozess zwischen der HTS-Übergangsregierung und der QSD der Widerstand vom militärischen ins gesellschaftliche verlagert habe. Dies sei eine der neuen Antworten auf die neuen Machtverhältnisse in Syrien. Auch wenn im Zuge des Integrationsprozesses manche Abstriche gemacht werden müssten, komme es jetzt darauf an, die Eckpfeiler der Revolution zu verteidigen. Einer dieser Eckpfeiler sei auf jeden Fall die YPJ, deren Anerkennung im Integrationsprozess für die Menschen eine klare rote Linie darstelle. Als revolutionäre Linke in der Schweiz sollten wir mit Offenheit auf die revolutionäre Realpolitik in Rojava blicken und uns bereithalten für den Fall, dass unsere Genoss*innen in Rojava unsere Unterstützung brauchen. Die Lage in Rojava bleibe weiterhin angespannt und die Situation könne jederzeit erneut militärisch eskalieren. Gleichzeitig betonen die Genoss*innen, dass es auch wichtig sei, hier die revolutionäre Bewegung auszubauen, um auch hier eine eigene Initiativkraft zu entwickeln. Nach dem Vorbild von Rojava sollten wir uns ebenfalls nicht dem einen oder anderen imperialistischen Machtblock anschliessen, sondern einen eigenen 3. Weg gehen [4].
Ein zentraler Bestandteil des Abkommens vom 29. Januar ist das Recht auf Rückkehr von Binnenvertriebenen. Seit Mitte März konnten bereits hunderte Familien nach Efrîn zurückkehren, die durch die Invasion der Türkei im Jahr 2018 vertrieben worden waren [5]. Ebenfalls wurden erste Schritte eingeleitet, die Rückkehr nach Serêkaniyê vorzubereiten. Die Zerstörung und die aktuelle ungeklärte Sicherheitslage erschweren jedoch bis jetzt die Rückkehr [6].
Aktuelle Situation in Iran
Zum Abschluss des Newsletters wollen wir noch zwei Artikel zur Einordnung der Entwicklungen in Rojhilat empfehlen. Bereits Ende April sprach die Widerstandsvernetzung mit einer Vertreterin der Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK). Das Interview gibt tiefe historische Einblicke in den Widerstand im Iran, die Organisationsstrukturen der PJAK und analysiert den aktuellen Krieg zwischen USA / Israel und Iran [7]. In einer aktuelleren Stellungnahme forderte die PJAK Trump dazu auf, die Empfänger der angeblichen Waffenlieferungen an Kurd*innen offenzulegen. Gleichzeitig wiesen sie Behauptungen zurück, dass die PJAK selber Waffenlieferungen von externen Mächten angenommen habe. Die PJAK-Pressesprecherin Gelawêj Ewrîn erklärte: „Diese Vorwürfe bedeuten, dass versucht wird, sowohl Iran gegen uns aufzuhetzen als auch den Glauben unseres Volkes an die eigene Bewegung zu erschüttern.“ [8]
Links
[1] https://deutsch.anf-news.com/frauen/unterstutzung-fur-ypj-in-qamislo-51802
[2] https://deutsch.anf-news.com/frauen/wir-sind-alle-ypj-solidaritatsaktionen-in-zahlreichen-stadten-51809
[3] https://rojavaagenda.noblogs.org/post/2026/05/31/wir-sind-alle-ypj/
[4] https://www.lora.ch/radio/ausgaben/offener-politkanal-revolution-zeiten-von-krieg-und-krise-2026-04-26
[5] https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/ruckkehr-nach-serekaniye-namen-von-14-000-vertriebenen-familien-erfasst-51882
[6] https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/erster-efrin-besuch-von-ilham-ehmed-seit-der-besetzung-2018-51774
[7] https://lowerclassmag.com/2026/05/05/interview-mit-der-partei-fuer-ein-freies-leben-in-kurdistan-pjak/
[8] https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/pjak-an-trump-empfanger-angeblicher-waffenlieferungen-offenlegen-51682
Demos zum 14. Juni und Sakine-Cansız-Festival
ALLE FLINTAQ* an den Feministischen Streik
Sonntag, 14.06.2026 ab 13:00 Uhr auf dem Kasernenareal Zürich, Demostart: 17:00 Uhr, Ni Una Menos Platz (ehemals Helvetiaplatz)
Offen für alle Frauen*, inter*, non-binäre*, trans*, Lesben*, genderqueere* Personen.
ALLE an die NO G7 Proteste in Genf
Internationalistisches Treffen ab dem 13. Juni
Große Demo am 14. Juni um 14 Uhr, Perle du Lac
Weitergehendes Programm bis zum 17. Juni
Jetzt schon vormerken: Sakine-Cansız-Festival
Sonntag, 28.06.2026 ab 11:00 Uhr, Kasernenareal Zürich
Mit solidarischen und kämpferischen Grüssen
Rojava Komitee Zürich
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