[rojavaagenda] Newsletter Nr. 33: Demo heute Mittwoch gegen die Luftangriffe der Türkei / Infos zu Hesekê

Liebe Freund_innen und Genoss_innen
Das Flüchtlingslager Maxmur, die autonome Region Schengal und Derik in Rojava wurden diese Nacht von dem türkischen Staat zeitgleich mit Kampfjets bombardiert. In Europa rufen kurdische und ezidische Verbände zu Protesten auf. Die Koordination der ezidischen Gemeinschaft in Europa (KCÊ-E) erklärt, dass die zeitgleichen Angriffe auf Şengal, Mexmûr und Rojava auf einen Völkermord abzielen: „Die osmanischen Enkel unter Diktator Erdogan greifen unsere heiligen Orte an. Die Gesellschaft und der ezidische Glauben sollen ausgelöscht werden, der etliche Male umgesetzte Ferman soll zu Ende gebracht werden. Der türkische Staat greift Şengal unter Einsatz aller Mittel an, um dieses Ziel zu erreichen. Lasst uns auf die Straßen gehen, um diese Angriffe zu stoppen und unsere Gesellschaft, unseren Glauben, unser Land und unsere Heiligtümer zu verteidigen. Wir rufen das gesamte Volk Kurdistans und seine Freundinnen und Freunde auf, ihre Stimmen gegen die auf einen Völkermord abzielenden Angriffe zu erheben!“ Auch der kurdische Europadachverband KCDK-E und die bundesweite Konföderation KON-MED rufen zu Protesten auf. (https://anfdeutsch.com/aktuelles/turkei-bombardiert-mexmur-Sengal-und-derik-30591)

Heute finden deshalb folgende Demos statt:

02.02.2022, 14.00 Uhr, Rathaus, Zürich

02.02.2022, 17.30 Uhr, Bahnhofplatz, Bern

02.02.2022, 17.30 Uhr. St. Laurent Kirche, Lausanne

02.02.2022, 17.30 Uhr, Jesuitenplatz, Luzern

02.02.2022, 18.00 Uhr, Bahnhofplatz, Biel

02.02.2022, 18.00 Uhr, Bahnhof Platz, Solothurn

Was geschah in Hesekê?
Am 20. Januar verübte Daesh (IS) einen Angriff auf das al-Sina’a-Gefängnis im Stadtteil Ghweran von Hasakah in Nordsyrien, um die dort festgehaltenen 5.000 Kadermitglieder von Daesh zu befreien. Die gefährlichsten Dschihadisten sitzen in diesem Gefängnis, Daesh hatte das Gefängnis also nicht zufällig gewählt. Dieser Angriff, der zur Flucht von Tausenden von Gefangenen führte, war die grösste und gefährlichste Entwicklung in der Region, seit Daesh vor Jahren von kurdischen und verbündeten Kräften in Syrien besiegt wurde.

Doch was geschah genau? Civan Akbulut (Die Linke) hat folgenden ausführlichen und sehr interessanten Thread auf Twitter geteilt: https://twitter.com/civan_akbu/status/1486376380015296520

Hier eine verkürzte und unvollständige Zusammenfassung:

20.01.22: Angriff auf das Gefängnis mit Autobombe und mit Sprengstoff bestückte Motorräder durch Daesh-Schläferzellen. Sicherheitskräften (Asayîş) der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien (AANES) konnten schnell reagieren und die Angriffe vorerst abschwächen.

21.01.22: Situation ist unübersichtlich. Zahlreiche Daesh-Terroristen hatten sich nach dem Ausbruch in das nahegelegene Wohnviertel Zihûr (Al-Zohour) verschanzt. Die SDF hatten das Viertel und die Gegend um das Sina-Gefängnis durch einen breiten Sicherheitskorridor getrennt. Über Lautsprecher von Moscheen wurde die Bevölkerung aufgerufen, ihre Türen zu schließen und niemandem zu öffnen. Aufklärungsflieger und Kampfhubschrauber der internationalen Anti-IS-Koalition überflogen den Stadtteil Xiwêran. Ein Konvoi des Militärrats von Til Temir machte sich auf den Weg nach Hesekê, um der SDF beim Kampf gegen Daesh zu unterstützen. Die Türkei bombardierte den Konvoi.

22.01.22: Am Samstagmittag hatten die Asayîş und SDF das Stadtviertel Xiwêran vollständig umstellt. Es gab schwere Gefechte in der Umgebung der Haftanstalt, im Industriegebiet sowie in der Nähe der Wirtschaftsfakultät. Sichtung von US-Truppen unweit des Sina-Gefängnisses.

23.01.22: Auch am Sonntag versteckt sich der Daesh weiterhin in Gebäuden, um US-Luftschläge zu entgehen. SDF erreicht die nördliche Mauer des Sina-Gefängnisses. Zeitgleich bombadiert die Türkei das Dorf Alimar bei Ain Issa (nördlich von ar-Raqqa). SDF erklärt, dass etwa 200 Daesh-Terroristen und Selbstmordattentäter an dem Angriff auf das Sina-Gefängnis in Hesekê beteiligt waren. Daesh hat eine grosse Anzahl an zivilen und militärischen Geiseln genommen. Deren Situation ist teilweise unklar. Sie werden in Propaganda-Videos von Daesh gezeigt.

24.01.22: Hubschrauber der internationalen Anti-IS-Koalition bombardieren auch am Montagmorgen weiterhin Daesh-Positionen in und um das Sina-Gefängnis. Die Terroristen haben sich verbarrikadiert. Zivilisten flüchten noch immer aus den Vierteln Xiwêran und Zihûr. Die SDF konnte zwar die meisten Orte sichern, dennoch werden noch vereinzelte Daesh-Terroristen in den Wohnvierteln vermutet. Die SDF konnte strategisch wichtige Positionen um das Sinai-Gefängnis einnehmen. Die Gefechte halten an. Seit Montagmorgen haben sich viele Daesh-Terroristen ergeben, weitere wurden getötet. SDF befindet sich im finalen Kampf gegen Daesh im Sinai-Gefängnis. Sehr schwere Gefechte. Ferhad Şami, Pressesprecher der SDF, schreibt auf Twitter: „The final dance of the venom snakes in al-Sina’a prison- Game Over Daesh“. Busse voller Daesh-Terroristen werden von der SDF in ein anderes Gefängnis transportiert. Mindestens 100 IS-Terroristen konnten heute beim Sturm auf das Sina-Gefängnis festgenommen werden. Mehrere Geiseln befreit.

25.01.22: SDF erklärt am Dienstagmittag, dass bei den Kämpfen in Hesekê mehr als 200 Daesh-Terroristen getötet wurden, darunter etwa 150 Mitglieder von Daesh-Schläferzellen. Der Demokratische Syrienrat (MSD) erklärte am Dienstagmorgen, dass Daesh bei seinen Angriffen in Hesekê Unterstützung durch protürkische Söldnertruppen aus den besetzten Gebieten erhält.

26.01.22: Die Volksmobilmachungskräfte (PMF) erklären am Mittwochmorgen, dass Daesh-Terroristen versucht hatten, in das jesidische Şengal (Nordirak) einzudringen. Die PMF konnte den Versuch vereiteln. Türkische Streitkräfte haben Mittwochvormittag das Dorf Hawshariyah (nördliches Minbic) beschossen. Immer wieder werden Positionen des Militärrats von Minbic (MMC) und der SDF vom türkischen Militär und ihren Söldnern angegriffen. Mittwochvormittag haben sich rund 1000 Daesh-Terroristen in einer Massenkapitulation der SDF ergeben. Die SDF gibt Mittwochmittag bekannt, dass sie die vollständige Kontrolle über das Sina-Gefängnis erlangt haben.

Ferhad Şami hat sich als Pressesprecher der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) im ANF-Interview zu dem Angriff und die Ignoranz der in der Region entstandenen Gefahr durch die internationalen Mächte geäussert. Er spricht von einer strategischen Aktion und warnt vor grosser Gefahr. (https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/qsd-sprecher-Sami-die-lage-ist-ausserst-gefahrlich-30425)

Viele Daesh-Terrorsiten kommen aus Europa. Die kurdische Autonomieverwaltung in Nordostsyrien drängt seit Jahren darauf, dass die Heimstaaten ihre StaatsbürgerInnen zurücknehmen. Doch Europa und auch die Schweiz stellen sich taub und übernehmen keine Verantwortung. Seit Jahren verschliessen sie ihre Augen. Immer wieder versucht Europa sich des Problems zu entledigen, indem sie die Staatsbürgerschaften aberkennen. Das die Kurdischen Kräfte mit dem Problem alleine gelassen werden ist kurzsichtig und feige!


Fotos: Frauen der Volksverteidigungseinheiten bei Kontrollen in Heseke

Weitere Informationen
https://anfdeutsch.com/aktuelles/abschliessende-bilanz-der-qsd-zu-heseke-30572
https://www.heise.de/tp/features/Gefaengnisausbruch-in-Nordsyrien-Kommt-der-IS-2-0-6339384.html
https://npasyria.com/en/71472/
https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/knk-ruft-zum-kampf-gegen-den-is-auf-30507

Zum Jahrestag des Sieges von Kobanê: Die Gefahr lebt weiter!
Kobanê ist eine symbolträchtige Stadt. Hier erfuhr der sogenannte Islamische Staat (IS) seine erste militärische Niederlage. Am 26. Januar 2015, also vor sieben Jahren, erklärten die Kräfte der YPG (Volksverteidigungseinheiten) und YPJ (Frauenverteidigungseinheiten) den Sieg über den IS. Artikel von Civaka Azad zu diesem historischen Ereignis: https://civaka-azad.org/zum-jahrestag-des-sieges-von-kobane-die-gefahr-lebt-weiter/

Türkische Killerdrohnen bombardieren Şengal

In Şengal sind zwei Fahrzeuge von Killerdrohnen der türkischen Armee ins Visier genommen worden, ein Wagen wurde getroffen. Der YBŞ-Kommandant Azad Êzdîn und der Kämpfer Enver Tolhildan wurden getötet, zwei weitere Personen sind verletzt. Die Widerstandseinheiten Şengals (YBŞ) gedenken den von einer türkischen Killerdrohne getöteten Kämpfern und erklären, bis zur Erfüllung der Träume der Gefallenen keinen Schritt zurückzuweichen.
https://anfdeutsch.com/kurdistan/turkische-killerdrohnen-bombardieren-Sengal-30415
https://anfdeutsch.com/kurdistan/ybS-wir-weichen-keinen-schritt-zuruck-30440

“Das autonome Gebiet Rojava” – Radio LoRa
Eine Sondersendung über das autonome Gebiet Rojava, nachzuhören auf Soundcloud: https://soundcloud.com/radio_lora/das-autonome-gebiet-rojava

Nazis, Kontras, Dschihadisten…
Es ist eine neue Broschüre von Nick Brauns erschienen mit dem Titel „Nazis, Kontras, Dschihadisten. Zur Entwicklung der Spezialkriegsdoktrin der USA und NATO“. Sie ist hier kostenlos abrufbar: https://widerstandsvernetzung.org/zur-entwicklung-der-spezialkriegsdoktorin-der-usa-und-nato-broschuere/

Politische Lage in der Türkei

Der Journalist Nick Brauns hat sich am Winterquartier des Revolutionären Aufbau in Zürich mit einem Videovortrag zur politischen Lage in der Türkei geäussert. Der erste Teil dieses Gespräches wurde transkribiert: https://killerdoganprozess.ch/vortrag-von-nick-brauns-teil-1-die-geburtsfehler-der-tuerkei/

“Graue Wölfe” in Deutschland
Ismail Küpeli spricht darüber, dass die nationalistischen »Grauen Wölfe« in der Türkei ein anerkannter Teil der politischen Elite sind: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1160909.graue-woelfe-in-deutschland-eine-gefahr-fuer-demokraten.html

Mit solidarischen und kämpferischen Grüssen
Rojava Komitee Zürich

rojavaagenda.ch
Telegram-Kanal: t.me/rojavaagenda
Twitter: @AgendaRojka
Newsletter-Abo: leeres Email an rojavaagenda-subscribe@lists.riseup.net schicken
#riseup4rojava

Dieser Beitrag wurde unter General veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.