Newsletter Nr. 58: Den Druck aufrechterhalten – Rojava verteidigen, Internationalistische Demo 06.02. in Zürich, Grossdemo 07.02. in Genf 

Liebe Freund*innen und Genoss*innen
Jetzt gilt es, den Druck auf der Strasse aufrechtzuerhalten. Deshalb treffen wir uns morgen, den 6. Februar, um 19 Uhr auf dem Ni-Una Menos-Platz (ehem. Helvetiaplatz) zur internationalistischen Demonstration in Zürich. Und am Samstag geht es dann nach Genf in den internationalistischen Block an der Grossdemonstration. Hier treffen wir uns um 12 Uhr auf der Plaine de Plainpalais.

Der Aufruf für die Internationalistische Demonstration morgen bringt die aktuelle Situation auf den Punkt: „Nichts ist verloren, nichts ist vorbei! Der Angriff auf die Selbstverwaltung hält seit Beginn des Jahres an. Am vergangenen Freitag wurde nun ein weiteres Mal ein Abkommen zwischen der Selbstverwaltung und der syrischen Übergangsregierung erzielt. Solche „Abkommen“ haben wir in den vergangenen Monaten und Jahren, zur Genüge gesehen, um zu wissen, dass auf Al -Jolani, seine Verbündeten und ihre „Abkommen“, kein Verlass ist. Die Geschichte ist voller gebrochenen Versprechen. …“

Demonstrationsaufrufe für Freitag und Samstag

„… Genau deshalb müssen wir die Spannung und den Druck auf der Strasse auch jetzt weiter aufrechterhalten. Die Angriffe im vergangenen Monat wurden zwar durch Al-Jolanis Truppen ausgeführt und von der Türkei orchestriert, wären aber nicht möglich gewesen, ohne Grünes Licht von den internationalen Mächten. Die USA, Grossbritannien, Israel und die Türkei, um nur die Spitze des Eisbergs zu nennen. Aber auch das Kapital, die Gas- und Erdölkonzerne sowie die wirtschaftlichen Vertretungen aus Ländern, wie etwa aus der Schweiz, waren es, die diesen Angriff mit unterstützt und ermöglicht haben. Dies gilt es zu benennen und zu bekämpfen: Der Feind steht im eigenen Land!

Halten wir die internationale Solidarität entsprechend weiter aufrecht. Kommen wir zusammen auf den Strassen Zürichs. Im Zeichen des Internationalismus, im Zeichen der Solidarität zwischen den Völkern, im Zeichen des internationalen Kampfes um Befreiung. “

Für weiter Demonstrationen und Aktionen haltet euch auf dem Laufenden über unseren Telegram-Chat und unseren neuen Instagram-Account: 
Telegram: t.me/rojavaagenda
Instagram: @rojavakomiteezuerich 

Waffenstillstandsabkommen
Die KCK Ko-Vorsitzende betonte, wie wichtig der gemeinsame Widerstand der Kurd:innen und der internationalen Verbündeten in den letzten Wochen während der Angriffe auf Rojava war und dass dieser Zusammenhalt auch für die kommende Zeit sehr wichtig sei, weil auf die Zusagen der Gegenseite kein Verlass sei. Sie betonte, dass insbesondere die Frauenrevolution den Widerstand für die Freiheit unbesiegbar gemacht habe [1].  

Ilham Ahmed (Ko-Aussenbeauftragte der Selbstverwaltung in Rojava)

Die Ko-Aussenbeauftragte der Selbstverwaltung in Rojava, Ilham Ahmed, stellte am vergangenen Freitag die Kernpunkte des Waffenstillstandsabkommens vor, welches am gleichen Tag mit der syrischen Übergangsregierung geschlossen wurde. Ein zentraler Punkt ist auch hier, dass die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) integraler Bestandteil der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) bleiben [2]. Die QSD soll als ganze Struktur in die syrische Armee eingegliedert werden. Zuvor hatte die syrische Übergangsregierung noch gefordert, dass die QSD sich auflöst und Kämpfer:innen individuell der syrischen Armee beitreten sollen. Auch die politischen Strukturen der Selbstverwaltung sollen als Ganzes in den syrischen Staat integriert werden und weiterhin von der lokalen Bevölkerung ausgefüllt werden. Weitere wichtige Punkte des Abkommens sind die Rückkehr Binnenvertriebener und die Anerkennung von Kurdisch als Muttersprache [2].

Am Samstag sagte der Oberkommandierende der QSD, Mazlum Abdi, in einem Interview mit Ronahî TV, dass das Ziel des Abkommens sei, zivile Opfer zu vermeiden und gleichzeitig die Errungenschaften der kurdischen Selbstverwaltung in Rojava zu sichern. Er sagte weiterhin: „Dass nicht alle mit dem Abkommen zufrieden sind, wissen wir. Auch wir sind es nicht in allen Punkten. Die Erwartungen unseres Volkes waren gross. Doch wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, um das Blutvergiessen zu beenden. Wir werden weiterkämpfen, bis alle unsere Errungenschaften gesichert sind und jede vertriebene Person zurückkehren kann.“ [3] 

Schweizer Delegation in Rojava
Vom Sonntag bis Dienstag befand sich die „Rojava Delegation of Humanity“ in der nordostsyrischen Stadt Qamişlo. An ihr nahmen unter anderem Politiker:innen, Kulturschaffende und Menschenrechtsaktivist:innen aus der Schweiz teil. Ziel des Besuchs sei es, sich ein eigenes Bild vom Zustand der Region zu machen, insbesondere im Hinblick auf die andauernde humanitäre Krise und den Belagerungszustand in mehreren Teilen Rojavas [4]. Unter ihnen befand sich auch der Zürcher Gemeinderat Yves Heinz, welcher in einem Interview mit Tsüri von der Situation vor Ort berichtete. Er betonte, dass für die Menschen in Rojava vor allem die Errungenschaften der Frauenrevolution eine rote Linie seien: „Sie sind nicht bereit, ihre Freiheit aufzugeben oder erneut unterdrückt zu werden. Sollte die Regierung weiterhin versuchen, Frauenrechte oder die Rechte von Minderheiten einzuschränken, werden sie Widerstand leisten. Das ist für alle klar – auch wenn die Hoffnung besteht, dass die Konflikte politisch und nicht militärisch gelöst werden.“ [5]

Schweizer Delegation in Rojava

Update Karawane nach Rojava
In den letzten Wochen hatten wir von der Reise der Peoples Caravan berichtet, die sich unter anderem aufgemacht hatte, um die Blockade von Kobanê zu brechen. Vor zwei Wochen kam ein Teil der Karawane auf ihrem Weg nach Rojava auch in Zürich vorbei, wo wir sie im feministischen Streikhaus empfingen. Bereits letzte Woche hatten wir von der Abschiebung von einem Teil der Karawane berichtet. Nun hat die Peoples Caravan auf ihrer Webseite eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie mitteilt, dass inzwischen ca. 50 Personen, die mit der Karawane in Verbindung stehen, von der türkischen Polizei festgenommen und aus der Türkei abgeschoben wurden. Dabei berichten mehrere Teilnehmern:innen von schweren Misshandlungen während der Haft [6].

Update Proteste in Iran
Zu den Protesten in Iran möchten wir euch noch die folgenden beiden Artikel empfehlen. Das Lower Class Magazine veröffentlichte zwei Interviews mit Aktivist:innen der Studierendenbewegung, die die aktuelle Lage an den Universitäten beschreiben [7]. Die junge Welt beschäftigt sich mit der langen Tradition von kurdischem Widerstand in Iran [8].

Weitere Hintergrundinformationen zur aktuellen Lage in Rojava
Weitere Hintergrundinformationen zu den aktuellen Entwicklungen in Rojava findet ihr auf Civaka Azad [9] und ANF [10]. Ausserdem könnt ihr im Newsletter 57 und 56 die Ereignisse bis zum 29. Januar nachlesen.

Links
[1] https://deutsch.anf-news.com/kurdistan/kck-dauerhafte-solidaritat-und-verantwortung-fur-rojava-notig-50155
[2] https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/ilham-ehmed-das-abkommen-ist-ein-politischer-neuanfang-fur-syrien-50076
[3] https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/unser-ziel-war-es-ein-massaker-an-unserer-bevolkerung-zu-verhindern-50085
[4] https://deutsch.anf-news.com/rojava-syrien/schweizer-delegation-in-rojava-kobane-weiterhin-unter-belagerung-50108
[5] https://tsri.ch/a/zuercher-politiker-yves-henz-in-rojava-der-krieg-ist-allgegenwaertig-gruene-gemeinderat
[6] https://peoplescaravan.tem.li/language/de/karawane-zur-verteidigung-der-menschlichkeit-in-der-turkei-gefolterte-europaerinnen-erwagen-rechtliche-schritte-gegen-turkische-beamte/
[7] https://lowerclassmag.com/2026/02/02/die-zukunft-ist-ungewiss/
[8] https://www.jungewelt.de/artikel/516711.iran-ghazi-mohammeds-erben.html
[9] https://civaka-azad.org/category/c9-analysen/c32-rojava-und-syrien/ 
[10] https://deutsch.anf-news.com

Veranstaltungen und Demos:

ALLE an die Internationalistische Demo am Freitag in Zürich
Freitag, 06.02.2026, 19:00 Uhr, Ni-Una Menos-Platz (ehem. Helvetiaplatz)

ALLE an die Grossdemo für Rojava am Samstag in Genf
Samstag, 07.02.2026, 12:00 Uhr, Plaine de Plainpalais

Soli Abig für Rojava in St. Gallen
Samstag, 07.02.2026, 19:30 Uhr, Rümpeltum
Programm: Einlass 19:30, 20:00 Videocall aus Rojava, Konzis Start um 21:00

Grafitti Jam für Rojava in Zürich
Sonntag, 08.02.2026, 13:00 Uhr, Oberer Letten

Rojava geht uns alle an! – Infoveranstaltung in Luzern
Mittwoch, 11.02.2026, 19:00 Uhr, Pfarrheim Ebikon
Was bedeuten die aktuellen Angriffe und das Abkommen mit der HTS-Regierung für die Zukunft Rojavas?

Weitere Demos und Aktionen werden täglich auf Telegram und Instagram geteilt.

Wir sehen uns auf der Strasse! Her bijî Rojava!
Rojava Komitee Zürich

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